10. Januar 2012

Literaturtipp: "Zu verkaufen: Mariana, 15 Jahre" von Iana Matei

Ende letzten Jahres erschien das neue Buch „Zu verkaufen. Mariana, 15 Jahre“ der rumänischen Psychologin und Menschenrechtsaktivistin Iana Matei. Darin erzählt sie von ihrem Kampf gegen den Menschenhandel. Bereits 2003 gründete Iana Matei in Piteşti ein Frauenhaus für verschleppte Prostituierte, die aussteigen und ein neues Leben anfangen wollen. Burkhard Haneke, Geschäftsführer der Solidaritätsaktion Renovabis und Mitglied im „Aktionsbündnis gegen Frauenhandel“ hat das Buch gelesen und rezensiert.

Iana Matei: Es handelt sich schlicht und ergreifend um eine massenhafte und organisierte Vergewaltigung, die mitten im Europa des 21. Jahrhunderts stattfindet.

Ein Buch wie ein Paukenschlag – Zu einer Publikation von Iana Matei

Ein ebenso spannendes wie aufrüttelndes Buch hat die rumänische Psychologin und Menschenrechtsaktivistin Iana Matei über ihren Kampf gegen den Menschenhandel geschrieben. Es erschien Ende letzten Jahres unter dem Titel „Zu verkaufen: Mariana, 15 Jahre“. Mariana ist nur eines von zahlreichen Opfern der Zwangsprostitution in Rumänien, um die Iana Matei sich gekümmert hat und deren Schicksale sie beschreibt. Die Schilderungen sind zum Teil drastisch, in kräftiger Sprache formuliert. Streckenweise liest sich das Buch wie ein packender Roman. Doch die Inhalte sind alles andere als fiktiv: Eine Verfolgungsjagd mit Menschenhändlern in der Nähe des Schwarzen Meeres, gespenstische Szenen mit korrupten Polizisten auf Polizeirevieren, endlose Papierkriege mit nationalen und internationalen Behörden, schließlich: der spannungsvolle Alltag mit traumatisierten Opfern des Sexhandels im „Haus auf dem Hügel“ in Piteşti.

Piteşti ist eine Stadt, rund eineinhalb Autostunden nordwestlich von Bukarest am Fuß der Südkarpaten gelegen. Dort konnte Iana Matei im Jahr 2003 mit dem Bau eines Hauses beginnen, das zu einem Rückzugsort für Mädchen wurde, die ihren Schleppern, Zuhältern und Menschenhändlern entkommen konnten. Bereits 1994 hatte Matei in Australien (wo sie einige Jahre lebte, ihr Psychologiestudium absolvierte und ihr soziales Engagement begann) den Verein „Reaching out“ („die Hand reichen“) gegründet, der sich um bedürftige Straßen- und Waisenkinder kümmerte. Mit „Reaching out“ ging es auch nach ihrer Rückkehr 1998 nach Rumänien weiter – nun waren es aber vor allem die Opfer des Mädchenhandels, derer sie sich annahm.

Wer „aus erster Hand“ etwas über die brutalen Mechanismen des Menschenhandels, der sexuellen Ausbeutung und Zwangsprostitution mitten in Europa erfahren will, der greife zu dem Buch von Iana Matei. Er lernt aber auch ermutigende Beispiele kennen, wie diese engagierte Frau inzwischen schon vielen Frauen und Mädchen helfen konnte. Und die Aktivistin macht weiter. Unweit von Piteşti in den Karpaten plant sie die Eröffnung eines kleinen Hotels, mit dessen Erträgen sie das Frauenhaus in der Stadt langfristig finanziell absichern, zugleich aber den Frauen Ausbildung und Arbeit ermöglichen möchte. Bei der Realisierung dieses Projekts wird sie auch von der Solidaritätsaktion Renovabis unterstützt.

Burkhard Haneke

Iana Matei, Zu verkaufen: Mariana, 15 Jahre. Mein Kampf gegen den Mädchenhandel, Köln, 1. Auflage: November 2011, Bastei Lübbe Verlag – ISBN 978-3-404-60281-0.

Doku 10 Jahre Aktionsbündnis gegen Frauenhandel

Zum 10-jährigen Bestehen des Aktionsbündnisses ist eine Publikation entstanden, die die Entwicklung des Aktionsbündnisses und die Themenschwerpunkte der vergangenen Jahre dokumentiert. Sie finden darin u.a. Tagungsbeiträge und Informationen über Referenten und Mitglieder.